| Während in den arabischen Ländern Tausende auf den Straßen
gegen die Washingtoner Israel- und Palästinapolitik demonstrieren, verlegen sich andere
seit Wochen auf wirtschaftliche Protestmittel. Mit einem Boykott US-amerikanischer
Produkte wollen sie eine politische Kursänderung erreichen. So fragt man derzeit in der
Cafeteria der Universität von Sharja in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE)
vergeblich nach Coca-oder Pepsi-Cola. Nawal Jasim, die Vorsitzende der
Studentinnengewerkschaft der Universität, erläutert warum: Mit arabischem Geld
unterstütze die amerikanische Wirtschaft finanziell und militärisch die Israelis, damit
sie die Palästinenser töten, die sich seit 50 Jahren gegen die Besetzung wehren." 
Da aber die Regierungen der arabischen Länder US-amerikanische Waren nicht boykottieren,
"sind wir wohl dafür verantwortlich, die Initiative zu übernehmen", meinte
Jasim in einem Interview. "Wir sind Milliarden Muslime, und wenn jeder von uns Coca
Cola oder ein anderes US-Produkt boykottiert, dann könnten wir die US-Wirtschaft durchaus
beeinflussen."

Der Journalistenverband der VAE kündigte in der vergangenen Woche an, in Zusammenarbeit
mit Sozialeinrichtungen und Nichtregierungsorganisationen ein nationales Komitee für den
Boykott amerikanischer Waren zu bilden. In einer Erklärung forderte Verbandsmitglied
Aisha al-Nuaimi die Regierung auf, die Konferenz zu unterstützen. Es gibt sogar Stimmen,
die den Rückzug des US-amerikanischen Dollar aus dem internationalen Handel fordern.
"In den letzten zwei Wochen habe ich bei den Menschen auf den Straßen so viel Hass
und Zorn gesehen", berichtete der Rechtsprofessor Dr. Said Hareb von der Universität
der VAE in einem Interview. "Es ist bemerkenswert, dass nicht die Regierungen,
sondern Studentengruppen und Einzelne diese Demonstrationen initiiert haben", betonte
er und warnte: "Die Situation ist äußerst brisant".

Die ersten Boykottaufrufe kamen ausgerechnet aus Bahrain. Der Golfstaat ist ein wichtiger
Verbündeter der USA, deren Fünfte Flotte hier stationiert ist. Erste Berichte über
US-feindliche Graffiti waren vor gut drei Wochen zu hören. Inzwischen beschränkt sich
der Protest nicht mehr auf Boykottaufrufe. "Wir verlangen, dass die Regierung die US
amerikanische Botschaft und den Flottenstützpunkt schließt", hieß es in der in
Manama erscheinenden Tageszeitung 'Akhbar Al Khaleej'.
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Die Boykottaufrufe sind nicht auf die
Golfstaaten beschränkt. Inzwischen werden ähnliche Proteste auch aus dem Libanon sowie
aus Marokko und Irak gemeldet. So berichtete die Beiruter Tageszeitung 'Gulf News' von
Listen mit den Namen libanesischer, arabischer, europäischer und asiatischer
Zigarettenmarken, die an die Haushalte verteilt wurden.
Ein Vorschlag war in der vergangenen Woche in der marokkanischen Tageszeitung
'L'Economiste' zu lesen. Man solle im internationalen Handel auf den EURO umsteigen, hieß
es da und damit dem Beispiel des Irak folgen, der seit letztem Jahr seinen Außenhandel in
EURO abwickelt.

Doch Ali Ahmed Al Ghafli von der Amerikanischen Universität von Sharjah warnt vor allzu
hoch geschraubten Erwartungen. Er empfiehlt, Politik und Wirtschaft auseinander zu halten,
zumal sich eine gegenseitige Beeinflussung der beiden Bereiche in den Golfstaaten und in
Nahost negativ auswirken könnte. "Die Araber haben ihre politischen Optionen für
eine Lösung des Nahostproblems noch gar nicht ausgeschöpft", meinte der
Wissenschaftler in einem Interview.
"Wenn man auf die Wirtschaft als Waffe setzt, könnte sich dass angesichts der
Abhängigkeit der Region von westlichen Produkten negativ auswirken. Es macht keinen Sinn,
aus der heißen Pfanne ins Feuer zu springen."

Doch für die Studentin Nawal Jasim und andere ist der Boykott eine Möglichkeit, das
Gefühl der eigenen Hilflosigkeit gegenüber dem israelischen Vorgehen abzuschwächen.
Jasim war in den letzten Woche unterwegs, um Handelskooperativen und Lebensmittelhändler
dazu zu bewegen, US-Produkte aus den Regalen zu räumen und sie durch andere zu ersetzen.
Quelle: Islamische Zeitung
Israelische Artikel: hier
@ Ekrem Yolcu |